Bildende Kunst über der Einkaufs- und Flaniermeile: Einzigartiges Kunstprojekt „Luft ART Bad Saulgau 2026“ überspannt die Hauptstraße auf 250 Metern
In einer engen und inspirierenden Zusammenarbeit von Kunst und Wirtschaft präsentieren die städtische Wirtschaftsförderung, das Kulturamt sowie der Kunstverein Bad Saulgau e.V. ein in Oberschwaben einzigartiges Kultur-Highlight: Die „Bad Saulgauer Luft ART 2026“. Während der Sommermonate verwandelt sich die zentrale Einkaufs- und Flaniermeile der Stadt in eine faszinierende, frei zugängliche Open Air-Galerie, an der namhafte Künstlerinnen und Künstler aus der Region und partizipative Kollektive aus der Stadtgesellschaft teilgenommen haben.
Das in der Region einzigartige Konzept ist vergangenes Jahr auf Anregung von Bürgermeister Raphael Osmakowski-Miller entstanden, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen. Die „Luft ART“ bricht dafür mit traditionellen Ausstellungsräumen und verlagert die Kunst direkt über die Köpfe der Passanten. Die großflächigen Stoffbahnen über der Hauptstraße sorgen in den Sommermonaten gleichzeitig für angenehmen Schatten.
Individuell und ausdrucksstark bemalt wurden die Kunstwerke von ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern verschiedenster Generationen nach eigenen Originalentwürfen. 16 der Werke sind bereits 2025 entstanden, weitere 11 haben verschiedene Künstlerinnen und Künstler Anfang Mai in einem öffentlichen Malevent geschaffen – genug, um in diesem Jahr zusätzlich die untere Hauptstraße (nördlich des Marktplatzes) zu überspannen.
Besucher und Einheimische sind bis Mitte Oktober gleichermaßen eingeladen, beim Schlendern den Kopf in den Nacken zu legen oder ganz entspannt im Klappstuhl liegend den Blick nach oben zu richten. Die schwebende Galerie erstreckt sich über eine Gesamtlänge von knapp 250 Metern.
Zu den künstlerischen Höhepunkten zählen unter anderem die abstrakte Arbeit „night and day“ von Isa Dahl, der renommierten oberschwäbischen Kunstpreisträgerin, die plastische Vision der Bildhauerin Kerstin Stöckler sowie die Werke junger Künstlerinnen wie Aileen Hepting und Karina Semenyuk. Zudem bereichern kühne Landschaften und surreal-figurative Werke, wie sie beispielsweise Bernhard Lochbühler mit großen, über den Bodensee segelnden Booten oder Swetlana Schempp kreiert, das hochkarätige Ensemble unter freiem Himmel.
Neben etablierten Kunstschaffenden setzt die „Luft ART“ ein starkes Zeichen für das gesellschaftliche Miteinander und die Nachwuchsförderung. Ergänzt wird die Ausstellung durch beeindruckende Gemeinschaftswerke regionaler Institutionen. Mit großem Engagement haben sich das Junge Kunsthaus, die Brechenmacher-Grundschule sowie die inklusive Gruppe des Schillers e.V. an der Gestaltung der textilen Kunstwerke beteiligt. Auch da im vergangenen Jahr entstandene Luft ART Werk der Berta Hummel-Grundschule unter Federführung von Raphaela Peitzer hat wieder seinen Platz gefunden.
Kulturamtsleiterin Alexandra Karabelas: „Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder beim Verweilen in den Straßencafés der unteren Hauptstraße – die „Luft ART“ weckt den Entdeckergeist und sorgt bei Klein und Groß für eine besondere Atmosphäre und hervorragende Stimmung an den heißen Sommertagen. Die Ausstellung lädt schlichtweg zum Staunen, Verweilen und Genießen ein“.
Thomas Schäfers von der Wirtschaftsförderung lobt die unkomplizierte Abwicklung. Ein riesiges Kompliment gehe an die Kollegen vom Bauhof, für die die Luft ART ein Kraftakt sei. Ein ebenso großer Dank gelte den Hausbesitzern, die ihre Gebäudefassaden für die Anbringung der Spannleinen unkompliziert zur Verfügung gestellt hätten.
Die Stadt Bad Saulgau und alle Projektpartner wünschen allen Besucherinnen und Besuchern viel Vergnügen und inspirierende Momente bei der Luft ART Bad Saulgau 2025!
Stefan Eichler: „Inspirare“
Stefan Eichler beschreibt sich als Kunstschöpfer, ausgebildet an der Wiener Kunstakademie, wo er bei Friedensreich Hundertwasser studieren durfte.
Hundertwasser habe ihn gelehrt, dass Kunst mehr sei als Gestaltung – sie sei Haltung: „Ich male, um das Unsichtbare sichtbar zu machen. Um die Menschen wieder mit ihrer inneren Quelle zu verbinden.“
Eichlers Luft Art-Werk „Inspirare“ greift vieles auf, was das Bild unserer Wirklichkeit heute prägt, so Eichler: „Wir leben im Zeitalter der Beschleunigung. Die Windräder in meinem Werk symbolisieren genau das: Alles dreht sich. Immer schneller. Aber worum dreht es sich eigentlich? Wer profitiert davon, wenn wir nicht mehr an eine höhere Macht glauben – und auch nicht mehr an das göttliche Potenzial in uns selbst? Wir brauchen Stille, damit wir hören, was uns wirklich inspiriert. Wir sind Schöpfer. Ohne diese Quelle bleibt nur noch Antrieb. Und irgendwann: Erschöpfung. Mein Bild „Inspirare“ ist mein künstlerischer Beitrag zur Luft Art - eine Erinnerung an das, was uns trägt, wenn wir still genug werden. Ein Bild, das fragt: Wollen wir weiter im Kreis rennen? Oder heben wir wieder den Blick?“ Der Titel seines Werks leitet sich ab von dem lateinischen Wort „inspirare“. Es heißt: einatmen. Eichler: „Es steht für das, was uns Menschen ausmacht: Inspiration – nicht Motivation. Motivation kommt von außen, wird uns abverlangt. Inspiration kommt von innen – oder von oben. Sie wird uns geschenkt“.
Barbara Ehrmann:
Eine vom Apnoetauchen inspirierte Bildwelt
Barbara Ehrmann, 1962 geboren, lebt und arbeitet in Ravensburg. Sie studierte von 1982-88 Malerei und intermediales Gestalten an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 1987 zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen, Preise und Stipendien, u.a.: 1992 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg und 1996 an der Cité Internationale des Arts / Paris. 2018 erhielt sie den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten. 2017 Artist in Residence in Basel/CH bei der Fondation Bartels und 2022 in Ayvalik / Türkei. Werke in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen.
„In meiner Bildwelt entfalten schattenrissartige Figuren und archaisch anmutende Formen ein bewegtes Kräftespiel. Ein schwebendes Szenario im Zustand der Schwerelosigkeit und des freien Taumels im (Wasser-)Raum in knapper und stark abstrahierter Bildsprache“.
Hannah Boll: „Die Schwimmerin“
Hannah Boll ist Bachelor-Studierende im Studiengang Intermedia und bewarb sich eigens mit ihrem besonderen Hintergrund im Bereich Design, Medien und Illustration bei der Bad Saulgauer Luft Art. Ihr Luft Art-Bild zeigt eine Schwimmerin im Moment des Eintauchens. Hannah Boll schreibt: „Ein Moment zwischen Wasser und Himmel: Beim Blick nach oben verschwimmen Realität und Vorstellung. Die Schwimmerin scheint schwerelos durch die Luft zu tauchen. Das Werk spielt mit der Perspektive und lädt dazu ein, für einen Augenblick die Schwerkraft zu vergessen und den Blick nach oben neu zu entdecken“.
Brechenmacher-Grundschule: "Wir Kinder von Bad Saulgau – gemeinsam für die unsere Stadt"
Das Werk stellt die Kinder von Bad Saulgau in den Mittelpunkt. Es zeigt farbige Handabdrücke, von insgesamt 928 Kindern, die so ihre einzigartige Spur auf der Stoffbahn hinterlassen haben. So ist ein kollektives Bild entstanden: Die Kinder aus verschiedenen Kindergärten und Schulen, die dem Ruf der initiierenden Brechenmacher-Grundschule gefolgt sind, haben das Werk gemeinsam gestaltet, und es drückt etwas Wichtiges für sie aus. Denn jede Hand steht für Individualität und alle zusammen für Gemeinschaft, Vielfalt und Zusammenhalt, unabhängig von Alter, Bildungsgrad, sozialer Herkunft und auch körperlichen Beeinträchtigungen. Damit entsteht ein echtes Abbild der Vielfalt unserer Stadt.
Im Zentrum der Stoffbahn ist der Projekttitel als kraftvoller Graffiti-Schriftzug gestaltet. Den Entwurf der Schablone hat eine Klasse des Störck-Gymnasiumsunter Leitung von Gerlinde Langenfeld hergestellt, die Übertragung auf die Stoffbahn
setzten die Erstklässler der Brechenmacher-Grundschule um. Stephanie Rilling, Rektorin der Brechenmacher-Grundschule: „Unsere Gesellschaft muss achtsam mit ihren Kindern umgehen, sie fördern, fordern, schützen und ernst nehmen. Die Kinder sind unsere Zukunft, und sie können diese aber auch nur gemeinsam erfolgreich im Positiven gestalten. Dies kann man ihnen an die Hand geben, wenn man sie auch an die Hand nimmt. Das fertige Kunstwerk verbindet künstlerischen
Ausdruck mit einer starken gesellschaftlichen Botschaft, und es lädt die Bürgerinnenund Bürger von Bad Saulgau dazu ein, die Rolle der Kinder neu zu sehen undwertzuschätzen“.
Isa Dahl: Night and Day
„Licht und Schatten und Leuchtkraft der Farben. Das sind die Ausgangspunkte für den Entwurf. Das Liniengeflecht ist so angelegt, dass es wie ein Ausschnitt eines größeren Ganzen wirkt. Die angeschnittene runde Form ist Zentrum und Ausgangspunkt für die Bewegung in den Raum hinein.“
Isa Dahl wurde 1965 in Ravensburg geboren. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Stuttgart. 1984 begann sie ihr Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 1989 wechselte sie an die Kunstakademie Düsseldorf zu Professor Dieter Krieg, wo sie ihren Abschluss als Meisterschülerin machte. Die Kunstakademie ermöglichte ihr ein Jahr darauf ein Reisestipendium für die USA. Dahl gewann zahlreiche Preise, unter anderem den 1. Preis für Neue Malerei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen im Jahr 1992, 1993 den Förderpreis beim 11. Bundeswettbewerb Kunststudenten stellen aus, 1997 gewann sie den 1. Förderpreis Oberschwäbischer Kunstpreis und 1999 den Förderpreis Künstlerbund Baden-Württemberg. Zudem erhielt sie den Villa Romana-Preis, verbunden mit dem einjährigen Aufenthalt in der Villa Romana in Florenz und das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium. Es folgten weitere Stipendien und Auslandsaufenthalte. Seit 2005 arbeitet sie mit der Staatlichen Majolika Manufaktur in Karlsruhe zusammen.
Aileen Hepting: Upside Town
„Ein Blick nach oben oder ein Blick in den Spiegel: In „Upside Town“ – einem Wortspiel aus „Upside Down“ (kopfüber) und „Town“ (Stadt) – steht alles auf dem Kopf. Figuren scheinen auf einer unsichtbaren Glasplatte zu stehen und blicken zu uns herab. So entsteht ein spannendes Wechselspiel zwischen oben und unten, Betrachteten und Betrachtenden. In sommerlichen Farben zeigt sich eine Vielfalt an Gesten und Stimmungen, die dem Bild eine lebendige Atmosphäre verleihen. Das Werk lädt dazu ein, Perspektiven zu wechseln und sich selbst in den Situationen wiederzuentdecken. Eigenschaften wie Offenheit, Humor und Lebendigkeit verbinde ich dabei mit Bad Saulgau“
Aileen Hepting begleitet die Malerei seit ihrer Kindheit. Sie ist für Sie ein Ausdrucksmittel von Gefühlen und Gedanken. Aileen Hepting stammt aus der Nähe von Freiburg, wo sie Kunstgeschichte studierte und zudem in Münster Erfahrungen im Bereich Design sammelte. Im Anschluss entschied sie sich für ein Lehramtsstudium in Weingarten mit den Fächern Kunst und Geschichte. Parallel ist sie Dozentin im Jungen Kunsthaus.
Junges Kunsthaus: o.T. (Der Sommer ist bunt)
Das Junge Kunsthaus zeigt in seinem Werk für die Luft ART Vielfalt und sommerliche Fantasie: Stellvertretend für die Bereiche Kunst, Theater, Tanz und Fotografie stehen schwarze Silhouetten. Die weiteren Felder wurden von 38 Kindern, Jugendlichen (4–15 J.) und Erwachsenen in Gruppen individuell gestaltet. Ob fröhlicher Farbtanz, erfrischende Wasserwelt, poetische Träumerei, lustige Eisschnecke oder variantenreiche Vögel: Der Sommer ist bunt!
Das Junge Kunsthaus in Bad Saulgau ist eine kreative, gemeinnützige und außerschulische Bildungsstätte. Mit einem spartenübergreifenden Konzept fördert es Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Kunst, Theater, Tanz, Fotografie und Musik. Seit seiner Gründung 1990 bietet es neben Elementar- und Jahresklassen eine Vielzahl an Kursen und Workshops, in denen Fantasie und die eigene künstlerische Entfaltung im Mittelpunkt steht. Es ist ein lebendiger Ort des Austauschs, der Gemeinschaft und kulturellen Teilhabe in der Region – ein Ort, an dem „Darüberhinausdenken“ selbstverständlich ist.
Rainer Leyk und Junges Kunsthaus: o.T.
Hochfliegende Störche, ein ganzer Schwarm – man hört förmlich, wie ihre Flügel in der Luft schlagen und sie nach oben wollen und weite Strecken kraftvoll miteinander erleben. Ein Aufbruch? Es ist vor allem die Ambivalenz der Arbeit, die fasziniert. Sie ist als All-Over-Komposition in Schablonengraffiti-Technik angelegt und orientiert sich an der prägnanten Bildsprache der Street Art. Das Motiv der Störche greift
auch ein charakteristisches Element des Stadtbildes von Bad Saulgau auf. Durch die freie Verteilung entsteht ein offenes Bildgefüge, das sich je nach Blickrichtung unterschiedlich erschließt. Die Umsetzung erfolgt mit großformatigen, gewalzten Schablonen.
Rainer Leyk ist freiberuflicher Künstler und Fotograf aus Altshausen sowie Dozent am Jungen Kunsthaus Bad Saulgau. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Fotografie, Malerei und Neuen Medien. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit begleitet er junge Menschen in der Entwicklung eigener künstlerischer Ausdrucksformen. Der eingereichte Entwurf entstand gemeinsam mit Schülerinnen seiner Kunstklasse: Louise B., Alexa C., Darina F., Maja J. und Teresa W.
Bernhard Lochbühler: Bodensee
Bernhard Lochbühler wurde 1949 in Tafertsweiler geboren und arbeitete zuerst vierzig Jahre lang als Revierförster in Achstetten und Birkenfeld im Schwarzwald. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst absolvierte Lochbühler ein Kunststudium an der Freien Kunstakademie Überlingen, das er 2020 abschloss. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema „Werden und Vergehen“ in der Natur. Seither hat er verschiedene Ausstellungen, unter anderem in Überlingen, veranstaltet und engagiert sich im Kunstverein in Bad Saulgau, wo er seit 2012 lebt. Sein neues Werk Bild für die Luft ART spiegelt seine besondere Vorliebe für die Landschaft. Seine kubistische Darstellung des Bodensees ist inspiriert von der Raum aufsplitternden Gestaltung nach Lionel Feininger.
Swetlana Schemp: o.T.
Swetlana Schempp wurde 1990 in Semipalatinsk (Kasachstan) geboren und lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland. Die Malerei begleitet sie bereits seit ihrer Kindheit – inspiriert durch die Bauernmalerei ihres Großvaters. Nach einer zwischenzeitlich abgebrochenen Ausbildung zur Grafikdesignerin und dem Wechsel in den medizinischen Beruf fand sie 2018 intensiv zur Kunst zurück. Nach einer kreativen Pause widmet sie sich nun wieder ganz ihrer Leidenschaft. Als Autodidaktin hat sie sich alle Techniken selbst beigebracht. Sie experimentiert gerne mit verschiedenen Medien und probiert auf der Leinwand ständig neue Wege aus. Über ihr hoffnungsvolles Himmelsbild für die Luft ART sagt sie: „Es ist schlicht Inspiriert durch die vielen Störche, die ich über meinem Kopf fliegen sehe“.
Sabine Schönbeck
Sabine Schönbeck – Künstlerin, Kunstpädagogin, Visionärin – beschreibt ihre Kunst als ihr Herzraum: „Sie heilt, erfüllt, trägt mich über das Alltägliche hinweg und lässt mein Herz schweben“. Sabine Schönbeck absolvierte ihr Kunststudiums an der PH Weingarten. Seit 2018 unterrichtet sie an der Michel-Buck-GMS in Ertingen und ist Kulturbeauftragte des Landes, seit 2023 zudem Dozentin am Jungen Kunsthaus Bad Saulgau und Mitglied im Kunstverein Bad Saulgau. Ihre Einlinienzeichnung für die Luft Art zeigt, wie Kunst Linien und bunte Felder zwischen Menschen formt und diese miteinander verbindet. Die Gesichter, die auf ihrem Werk zu sehen sind, sind ihr eigenes sowie die Gesichter der Mitglieder ihrer Kunstgruppe, die alle durch Herz und Vision miteinander verbunden sind. Am 25. Mai 2025 gründete Sabine Schönbeck mit der Gruppe den Verein Villa KUK e.V.i.G. Er ist Träger der neuen Kunstschule in Riedlingen. Sabine Schönbeck: „Wir glauben an Menschlichkeit, Freiheit und die Kraft der Kunst, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, Orten, Welten.“
Karina Semenyuk: o.T.
Auf dem Gemälde sind Menschen mit körperlichen und inneren Verletzungen dargestellt, die traumatische Erfahrungen durchlebt haben. Sie leben weiter, unterstützen sich gegenseitig und suchen neue Wege. Trotz der idyllischen Umgebung stellt die ukrainische Künstlerin die Frage, wie die Gesellschaft Menschen mit Kriegserfahrungen wahrnimmt. Die Arbeit zeigt die Transformation von kollektivem Schmerz. Die Künstlerin wählte vor einem zuerst nachtblauen, sich dann immer weiter aufhellenden Himmel große, bunte, sich wie Kinder bewegende Häuser, daneben ebenso große Sonnenblumen und Getreide, wie es Semenyuk mit der Landschaft ihrer Heimat verbindet.
Karina Semenyuk floh 2021 mit ihrer Familie aus der Ukraine. Die junge Künstlerin engagierte sich in ihrer Freizeit in Riedlingen unter anderem in der Villa KUK. Sie kehrte im Mai 2026 in ihre Heimat zurück um trotz des Kriegs in der Ukraine zurück, um dort ihre künstlerische Entwicklung voranzutreiben. Ihr Werk entstand zwei Tage vor ihrer Abreise.
Schillers e.V. Bad Saulgau: Cappuccino im Schillers
Seit 2022 begegnen sich im Schillers e.V. auf der Schillerhöhe in Bad Saulgau Menschen aller Individualität und Vorlieben, die Freude am Bunten, am inklusiven fröhlichen Miteinander, den schönen Künsten, Musik, Tanz, Worten haben. Die Wände des Begegnungsortes wurden 2025 zum Ausstellungsort für Kunstschaffende aller Art. In Zusammenarbeit mit der Malwerkstatt der Zieglerschen, einem seit 40 Jahren bestehenden Atelier in Wilhelmsdorf zeigen hier Art Brut Kunstschaffende Kunstwerke der Malerei und Zeichnung. Die Idee für das Luft ART-Kunstwerk entstammt dem Geiste des Vereins Schillers e.V., alle an einem Ort bei Kaffee, Kuchen und guten Bildern zu versammeln. Menschen und Tassen auf dem Banner entstammen Werken der Kunstschaffenden
aus Wilhelmsdorf. Es gibt rührende Köche, eilige Spaziergänger, alte Damen, blasse Engel ergänzt um Verschattungen und Flecke wie auf einem Tischtuch. Am Ende konnten auch Saulgauer Bürger ihre ganz persönliche Tasse als Kontur in die Komposition pinseln.
Man hinterlässt überall gern seine Spuren.
Kerstin Stöckler: o.T.
Zwei nebeneinanderstehende Figuren verschränken die Füße, legen ihre Köpfe aneinander und umarmen sich in einer Geste von Wärme und Vertrauen. Ihre Arme greifen umeinander und um das gemeinsam gehaltene gelbe Element – eine Kugel, ein Ring vor ihrem Bauch –sie bündeln somit Unterstützung, Schutz und Zuversicht. Der kubistische, farbenfrohe Stil mit klaren schwarzen Konturen verstärkt das Gefühl von Verbundenheit: Jede Figur stützt die andere, während sie gemeinsam eine starke, sichtbare Botschaft des Zusammenhalts tragen. Die leuchtenden Gelbtöne stehen hierbei als Symbol für Hoffnung, Optimismus und die Bereitschaft, füreinander einzustehen. Blickt man auf das Werk, wird deutlich, dass Vertrauen nicht nur eine Gefühlslage ist, sondern ein gemeinsames Handeln und Teilen von Verantwortung in einer Gemeinschaft.
Kerstin Stöckler wurde 1978 in Bad Saulgau geboren. Nach ihrem Abitur absolvierte sie Zeichenkurse in Kanada. Zurück in Europa studierte sie Bildhauerei an der Europa-Akademie in Isny (Diplom 2003) sowie an der Alanus-Hochschule Alfter. Ihr beruflicher Weg führte sie über das Ulmer Theater zu einer mehrjährigen Anstellung im Restaurierungs-Atelier Buff in Sigmaringen (2004–2008). Parallel dazu schloss sie eine Bildhauer-Ausbildung in Bad Waldsee ab. Nach einer Tätigkeit bei der Restaurierungswerkstätte Lombacher und der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2008 kehrte sie 2014 in das Atelier Buff nach Sigmaringen zurück.
Susanne Werner: Schnulli und Pulli sind beste Freunde
Susanne Werner (*1957) ist eine in Reutlingen lebende Künstlerin und Kunsttherapeutin, die als Enkelin des oberschwäbischen Künstlers Carl Pflüger tief in einer kreativen Familie verwurzelt ist. Sie verbindet ihre familiäre künstlerische Prägung mit einem vielfältigen eigenen Schaffen in Malerei und Bildhauerei. Ihr Luft ART-Werk hat sie besonders für Kinder geschaffen. Es trägt den Titel „Schnulli und Pulli sind beste Freunde“ und entstammt einem Kinderbuch, das Susanne Werner geschrieben hat: „Ich möchte, dass in diesen schwierigen Zeiten die Kinder nicht vergessen werden. Ein positives und freudiges Bild als Zeichen auch für Leichtigkeit und Lachen tut jedem Kind gut. So habe ich die Rutschbahn auf der Wolke kreiert. Sie passt gut zum Himmel über Bad Saulgauers Fußgängerzone“.
Anca Jung: „Nur Blumen im Kopf!“
Anca Jung stammt aus Bukarest, wo sie 1959 geboren worden ist. Nach ihrer Ausbildung zur Kinderärztin wanderte sie 1989 nach Deutschland aus, wo sie jahrzehntelang gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Jung eine Praxis in Ertingen führte. Sie wagte nach ihrem 50. Geburtstag, ihrer Leidenschaft für die Kunst zu folgen und sich als Autodidaktin in Malerei und Zeichnen weiterzubilden. Heute blickt sie auf eine beachtliche Anzahl an Einzel- und Gruppenausstellungen in Süddeutschland zurück. Über ihr Luft Art-Bild „Paradise“ sagt sie: „Wie wäre es, wenn wir nur friedliche Gedanken hätten, wenn der Mensch und die Natur im Einklang wären? Wir klauen alles der Natur, sie verlangt von uns kein Geld! Sie verlangt nur Respekt! Die Natur ist alles was wir haben! Mein Entwurf steht für Frieden, für miteinander leben können! Wir sollen suchen was uns verbindet! Die Kunst verbindet uns!“
Berta Hummel-Schule: „Tauch-Illusionen“
Unser Projekt zum Thema LuftArt trägt den Titel „Tauch-Illusionen“ und wurde von rund 50 Kindern der Klassenstufen 1, 3 und 4 der Berta Hummel-Schule Bad Saulgau unter der Leitung von der Kunstlehrerin Raphaela Peitzer durchgeführt. Das Sommer-Bild wurde mit tauchenden Kindern aus verschiedenen Nationen in einem Meer dargestellt. Neben der „heilen“ Welt mit Korallen, Fischen, Quallen und anderen Meeresbewohnern wurde auch der Umwelt-Aspekt mit einbezogen. Müll, der achtlos im Meer entsorgt wurde ist ebenfalls zu sehen.
Bei der Durchführung wurden zunächst Kinder auf das große Format gelegt und für die Skizzen abgezeichnet. Somit entstand der mittlere Bereich. Den Rahmen gestalten die Korallen und Felsen. Die Sonne bringt zusätzlich optische Bewegung ins Bild.
Kindergarten St. Josef: „Mit Kinderaugen seh´n“
Das Gemeinschaftsbild wurde von 85 Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren aus dem Kath. Kindergarten St. Josef in Bad Saulgau unter Leitung von Brigitte Möhrle gestaltet. Inspiriert von unserem eigens gesungenen und verfilmten Lied „Mit Kinderaugen seh’n“ soll das Auge zum Ausdruck bringen, wie Kinder ihre Stadt und Umwelt wahrnehmen und was für sie wichtig ist.
In dem Kunstwerk spiegeln sich die vielfältigen Aspekte der Gemeinschaft unserer lebendigen und farbenfrohen Stadt wider: Tradition, Brauchtum und Natur sind fest verankert und lebendig dargestellt. Die Melodie unseres Liedes zieht sich durch das Bild – dargestellt als Quelle, die im Thermalbad entspringt und die Stadt mit Leben füllt. Im Mittelpunkt steht die Kirche auf dem Marktplatz, symbolisch für Gemeinschaft, Glauben und Zusammenhalt. Das Kunstwerk möchte alle einladen, die Schönheit unserer wunderschönen Stadt Bad Saulgau aus Kinderaugen zu entdecken.
Bernhard Lochbühler
Bernhard Lochbühler wurde 1949 in Tafertsweiler geboren und arbeitete zuerst vierzig Jahre lang als Revierförster in Achstetten und Birkenfeld im Schwarzwald. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst absolvierte Lochbühler ein Kunststudium an der Freien Kunstakademie Überlingen, das er 2020 abschloss. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit dem Thema „Werden und Vergehen“ in der Natur. Seither hat er verschiedene Ausstellungen, unter anderem in Überlingen, veranstaltet und engagiert sich im Kunstverein in Bad Saulgau, wo er seit 2012 lebt. Sein Bild für die Luft Art spiegelt seine besondere Vorliebe für die Architektur. Es zeigt die Fußgängerzone mit Blick auf das Haus am Markt.
Marianne Quénéhervé: „Paradise“
Marianne Quénéhervé wurde 1952 geboren und lebt und arbeitet in Bad Saulgau. Sie erhielt ihre Kunstausbildung bei Heinz Dress in Holzschnitt, bei Joe Allen in Malerei, bei Andrea Stahl in Figur und Raum sowie an der Europäischen Kunstakademie in Trier und bei Josef Wehrle in Schmieden und Schweißen. Sie wirkt seit dreißig Jahren am Jungen Kunsthaus als Dozentin. Über Ihr Luft Art-Werk „Paradise“ schreibt sie frohgelaunt: „Welch schöne Vorstellung - sommerleicht, unbeschwert eintauchen in Farben, die wachsen, flüstern, atmen. Ein
Grün, das nach Moos duftet, Blüten, die sich wie leise Gedanken öffnen.
Ein Wind, der Geschichten alter Bäume erzählt. Barfuß durch Wiesen gehen, dem Summen der Bienen lauschen und im Schatten der Eichen die Zeit vergessen.
Einfach sein, inmitten von Farben, Klang und Leben. Ein Paradies, das nicht gesucht werden muss, es war da - immer schon. Mach´ die Augen auf.
Kerstin Stöckler
Kerstin Stöckler wurde in Saulgau geboren. Nach dem abitur verbrachte sie sechs Monate in Kanada. Dort belegte sie Zeichenkurse an der „Dundas Valley School of Art“. Zurück in Deutschland, absolvierte sie ein Praktikum beim Restaurator, studierte im Anschluss Bildhauerei an der „Europa-Akademie der musischen und bildenden Künste“ in Isny i. A., an der „Alanus Hochschule“ in Alfter und an der “Bildhauer-Atelier-Schule Axel F. Otterbach” bei Bad Waldsee. Ihre Bildhauer-Ausbildung wurde ergänzt durch ein Praktikum als Theatermalerin am Ulmer Theater. Seit 2004 arbeitet Kerstin Stöckler beim Restaurator, seit 2020 zusätzlich im Zahntechniklabor.
Ihr Bild repräsentiert die Stadt Bad Saulgau: Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen, Denkmäler, Besonderheiten, Altes, Neues, Historisches, Traditionelles, Gelebtes, Gemeinschaft, Gesellschaft. „Es zeigt Bad Saulgau in einem Bild vereint: Mein, Dein, UNSER Bad Saulgau!“, so die Künstlerin.
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